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„Wer war eigentlich...?"

Sie tragen zwar große Namen, doch ein wenig Unsicherheit ist oft dabei: Wer war eigentlich...?" Wer war der- oder diejenige, nach denen Häuser, Straßen, Freizeiteinrichtungen benannt wurden? Welcher Umstand, welche Verdienste, welche Beweggründe waren es, ihre Namen weit über die Zeit hinauszuheben? Fragen, die sich in Wiesbaden und der Region auf Schritt und Tritt ergeben - wenn man sie nur stellt.

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„Einer, der stets unter die Leute ging"

Vor 60 Jahren: Am 27. Dezember starb Bischof Dirichs bei Idstein

 

Das Bischof-Dirichs-Haus in Idstein erinnert an den vor 60 Jahren auf der Autobahn tödlich verunglückten Ferdinand Dirichs.

 

Aus dem Wiesbadener Tagblatt vom 11.12.2008

Autorin: Katharina Munsch

 

Erst knapp 13 Monate war Ferdinand Dirichs Bischof, bevor er am 27. Dezember 1948 gegen 14 Uhr auf der Autobahn bei Idstein verunglückte. Mit seinem Fahrer, seinem Sekretär Hans Höckel und dem Diözesanjugendseelsorger Willi Bogler befand sich der beliebte Geistliche auf dem Heimweg vom Johannisfest in Mainz nach Limburg, als es geschah. „Charismatisch und stets auf der Seite der Jüngsten" sei er gewesen, erzählt auch der Idsteiner Pfarrer im Ruhestand Klaus Schmidt. Gut hat der langjährige „Chef" der Idsteiner Pfarrgemeinde St. Martin den Namensgeber „seines" katholischen Gemeindezentrums in Erinnerung, denn als Kind hatte Schmidt den später so tragisch zu Tode gekommenen noch selbst getroffen.

 

Am Unglückstag war Sekretär Hans Höckel in Flörsheim ausgestiegen. Wenige Minuten später stürzte Dirichs bei überhöhter Geschwindigkeit von seinem Sitz auf der Rückbank auf den jetzt leeren Vordersitz, seine beiden Begleiter überlebten schwer verletzt. Warum die Limousine des lebhaften Bischofs von der Fahrbahn der A3 abkam, konnte nie geklärt werden.

 

„Bei Bischof Dirichs verbanden sich Autorität und Liebenswürdigkeit", ist noch heute über den gebürtigen Frankfurter zu hören. Und auch Ex-Pfarrer Schmidt sagt rückblickend: „Ich habe ihn ja noch kennenlernen dürfen und kann sagen, dass Dirichs ein besonders rühriger und leutseeliger Mann war". Jugendarbeit sei sein Steckenpferd, sein Beruf auch eine Berufung gewesen.

 

Geboren wurde Bischof Dirichs in einfachen Verhältnissen in der Main-Metropole am 24. November des Jahres 1894. Als Freiwilliger wurde er mit knapp 20 Jahren einberufen und als Leutnant der Reserve an der Westfront des ersten Weltkrieges schwer verwundet.

 

1922 in Limburg zum Priester geweiht, verbündete sich der junge Mann als Subregens im Priesterseminar und Diözesanpräsens der Jungmännervereine bald mit ähnlich gesinnten Kollegen und geriet in ernste Konflikte mit den Nationalsozialisten. Erst war die kirchliche Jugendarbeit per Reichstagsbeschluss noch abgesichert, dann aber wurden die Jungmännervereine in der zweiten Hälfte der 30er Jahre aufgelöst. Doch Aufgeben und den politischen Machthabern die „Jugendarbeit" überlassen, war Dirichs Sache nicht. Als Diözösenjugendpfarrer konnte er ab 1937 seine religiöse Arbeit mit jungen Leuten weiterführen.

 

Allein Dirichs Konstitution und seine Gesundheit litten unter den stetigen Streitereien und Schmähungen des Regimes. 1941 ließ er sich schließlich als „Dorfpfarrer" nach Winkel versetzen, engagierte sich indes auch dort mutig und einsatzbereit gegen die allumfassende „Nazikultur".

 

„Dirichs war einer, der unter die Leute gegangen ist", lacht Schmidt noch heute. Überzeugend und modern sei er gewesen, mit den besten Vorraussetzungen versehen, das Bistum in den schwierigen Jahren der unmittelbaren Nachkriegszeit zu leiten. Die Bischofsweihe erhielt Dirichs am 21. November 1947 in Limburg. Sein Leitspruch: „Dass sie das Leben haben".

 

Die sozialen Eckpfeiler des Gemeindelebens waren es, die es dem frischgebackenen Bischof angetan hatten. Er kümmerte sich sehr um die Ausbildung junger Männer, die den Priesterberuf anstrebten, ließ auch Laien den kirchlichen Alltag mitgestalten und sorgte für die Gründung des St. Georgwerks, das Bauzuschüsse für Familien Schwerkriegsbeschädigter, mit kranken Angehörigen oder besonders vielen Kindern gewährte. Daneben war er Beauftragter der deutschen Bischöfe für Flüchtlinge und Vertriebene.

 

Als Bischof des Volkes mit - als ob der Würdenträger seinen zu frühen Tod vorausgeahnt hätte - allzu vollem Terminkalender, behält ihn sein Bistum in Erinnerung. 15 Gedenkstätten und Straßen erinnern heute noch an den beliebten Bischof. Die Bekannteste war einmal das Gedenkkreuz an der Unfallstelle, das vor vielen Jahren dem dreispurigen Ausbau der A 3 weichen musste und jetzt am katholischen Kindergarten in Idstein steht.

 

„In den fünfziger Jahren baute unsere Gemeinde ihr heiß ersehntes Gemeindezentrum", erinnert sich Schmidt. Dass dieses nach dem verunglückten Bistums-Chef benannt werden sollte, stand schnell fest. Der „Altbau" des Architekten Josef Gäns gibt der Pfarrbücherei im Erdgeschoss sowie der „Oase", in der sich die Gruppen des „Kreuzbundes" treffen, ein Zuhause. Im ersten Stock gibt es je einen Gruppenraum für Jugendliche und Erwachsene. Im zweiten Stock finden sich Räumlichkeiten für die Jugendarbeit der Gemeinde.

 

1985 plante Heinz Waltering den großen Gemeindesaal, der zwischen Altbau und Sakristei mit Foyer, Küche, Toilettenanlage verwirklicht wurde. Hier schlägt also das Herz der Pfarrgemeinde, so dass der etwas altertümlich klingende Name des Bischof-Dirichs-Heims noch heute mit Recht an seinen lebendigen und lebensbejahenden Stifter erinnert.