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Arvo Pärt: Geistliche Abendmusik


25. November 2007, 17.00 Uhr, St. Martin, Idstein

De profundis
Pari intervallo
Nunc dimittis
Da pacem Domine
Salve Regina

Es singen die Martinis und der Chor St. Martin geleitet Franz Fink

Orgel: Bjanka Ehry
Texte: Martina Jüstel

Texte

Die lateinischen Texte und eine Übersetzung als PDF

Laudatio

Rede des Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert anlässlich der Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec an den estnischen Komponisten Arvo Pärt am 9. November 2007 in Görlitz

Weitere Information

De profundis - Aus der Tiefe

 

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem 25. November 2007, 17 Uhr, erklingt Geistliche Musik des Komponisten Arvo Pärt, die sich in einzigartiger Weise eignet, den Grenzbereich zwischen Tod und Leben auszuloten, tiefer als Worte es vermögen.
Der Komponist, der 1935 in Estland geboren wurde und in Berlin lebt, war im Jahr 2005 in der Region zu Gast und wurde vom Rheingau Musik Festival in vier Konzerten vorgestellt. Im Gesprächskonzert schwieg er sich aus und verwies auf seine Musik.


Arvo Pärt  stellt klare Klänge  mit langem Atem  in eine große Stille.

 

 

Arvo Pärt wendet sich an Hörer in aller Welt  und legt seinen Werken deshalb die knappe, allgemeingültige Sprache Latein zugrunde für Musik, die wesentliche Themen der Menschen berührt, zum Beispiel den Psalm 130:

De profundis clamavi ad te Domine - Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir

 

De profundis (Tiefe Stimmen, Orgel, große Trommel, Röhrenglocke und Gong, 1980)

Pari intervallo (Orgel, 1981)

Nunc dimittis (Chor, 2001, Gesang des Simeon, Lk 2,29-32)

Da pacem Domine (Chor, 2004, gesungen von den Martinis allein) 

Salve Regina (Chor und Orgel, 2002, Marianische Antiphon)

 

... denn meine Augen haben dein Licht gehört ...

Nunc dimittis erklang in St. Martin bereits im Juni 2004 im Rahmen von „Neue Musik als Gottesdienst“. Auf deutsch müsste man weit ausholen, um einzukreisen, wovon die Rede ist: Nun kannst du deinen Diener ruhig aus dem Dienst entlassen, aber auch: nun kann ich in Frieden sterben. So sang der greise Simeon, als das Baby Jesus zu ihm in den Tempel gebracht wurde, berichtet der Evangelist Lukas. Der Text gehört jeden Abend in die Komplet. Simeon sieht ein Licht, - der Hörer von Pärts Musik hört Erleuchtung.

Da pacem Domine in diebus nostris

- Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen

Salve Regina, mater misericordiae

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit

Ein „Herz für die Elenden": das Wort misericordia, als Haltung Gottes, leuchtet bereits im Psalm 130 als Höhepunkt, wie hier, wenn es gegen Ende heißt:

deine barmherzigen Augen wende uns zu.
 

9. November 2007: Brücke-Preis für Arvo Pärt

Arvo Pärt (* 11. September 1935 in Paide, Estland) gilt als einer der bedeutendsten lebenden Komponisten religiös motivierter Musik. Er strebt nach einem Ideal der Einfachheit, das die spirituelle Botschaft unterstützt. Er entwickelte seinen eigenen Musikstil, den er „Tintinnabuli“ (Klingeln der Glocken) nennt: Einfache Harmonien, meist Dreiklänge, und diese überlagernde Tonleitern bestimmen seine rhythmisch bewusst einfach gehaltenen Kompositionen.

Der Musiker selber erklärt seine Musik so: „Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich. Ich arbeite mit wenig Material, mit einer Stimme, mit zwei Stimmen. Ich baue aus primitivem Stoff, aus einem Dreiklang, einer bestimmten Tonqualität. Die drei Klänge eines Dreiklangs wirken glockenähnlich. So habe ich es Tintinnabuli genannt."

Arvo Pärt erfreut sich einer für einen zeitgenössischen klassischen Komponisten ungewöhnlich großen Beliebtheit, die sich in einer Reihe von Auszeichnungen dokumentiert, die ihm verliehen wurden.

 

Am 9. November 2007 erhielt er im Theater Görlitz den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Aus der Begründung der Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises: „Arvo Pärt hat mit musikalischen Mitteln dazu beigetragen, die spirituell prägenden Kräfte Europas aufeinander zuzuführen. In seinem Schaffen treffen sich Traditionen aus dem östlich-orthodoxen, dem römisch-katholischen und dem protestantischen Europa und bereichern sich wechselseitig. Es gelang ihm, eine Brücke zwischen Ästhetik, Ethik und Spiritualität zu schlagen und Elemente der Musiksprache des Ostens in die Konzertsäle des Westens einzubringen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Sein Schaffen genießt so große Akzeptanz wie bei keinem anderen Komponisten der zeitgenössischen Musik. Sein Werk macht das menschliche Grundbedürfnis nach einer Verbindung von Ästhetik, Ethik und Spiritualität, die in unserer überwiegend säkularisierten Gesellschaft so oft der Politik und der Ökonomie untergeordnet werden, deutlich und erlebbar. Pärt schärft so den Sinn für die menschliche Gemeinsamkeit und Grunderfahrungen und leistet damit einen Völker verbindenden, Frieden stiftenden Beitrag für alle Menschen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen und Kulturen." Die Laudatio hielt Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert. Er würdigte Pärt als Komponisten mit weltweiter Geltung. „Seine Musik will die alten Werte religiöser Musikerfahrung wieder hörbar machen. Er gibt dem Erinnern und Wiederentdecken des kulturellen Erbes Europas eine musikalische Form. ... Der schönste denkbare Klang nahe der Stille."