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Passionsmusik


Johann Christoph Bach
Ach, daß ich Wassers g’nug hätte

Dieterich Buxtehude
Klag-Lied „Muß der Tod denn nun doch trennen"


Membra Jesu nostri

Mitwirkende:

Franz Vitzthum (Altus)

Katia Plaschka (Sopran)
Janina Moeller (Sopran)
Roland Johannes (Tenor)
Martin Weinbrenner (Bass)

Antichi Strumenti, Mulhouse
MVSICHE VARIE
Capella Lignea

Chor St. Martin
Martinis

Leitung: Franz Fink

Sonntag, 11. März 2007, 17 Uhr
St. Martin Idstein


Karten zu 12, 10 und 8 Euro - Kinder zahlen die Hälfte - gibt es im Vorverkauf bei AMADEUS, Rodergasse 3, 65510 Idstein, Tel 06126-226013

„Eine spürbare innere Beteiligung"

Idsteiner Zeitung vom 14.3.2007 zur Passionsmusik in St. Martin: „Mit spürbar innerer Beteiligung und ergreifendem Ausdruck fanden die Choristen, die Solisten und die Instrumentalisten unter Leitung von Kantor Franz Fink zu einem lebendigen Klangkörper zusammen, der dem Publikum das anspruchsvolle Werk nahe bringen konnte."

Weitere Information

Konzertprogramm

Das Programm enthält die Texte, ein Foto des Crucifix aus der Krypta von St. Martin zur Betrachtung sowie assoziative Gedanken. Es steht als PDF zur Verfügung.

Leben des Komponisten

Informationen zur Vita des Komponisten Dieterich Buxtehude bietet die Website der Internationalen Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft

Weitere Information

Passionsmusik MEMBRA JESU NOSTRI

Am 11. März 2007 geben der Chor St. Martin und die Martinis - geleitet von Kantor Franz Fink - um 17 Uhr in der Kirche St. Martin eine Passionsmusik. Sie nehmen das 300. Todesjahr von Dieterich Buxtehude zum Anlass, unter anderem sein bedeutendes Werk „MEMBRA JESU NOSTRI" für fünf Soli, Chor und Instrumente aufzuführen. In sieben Kantaten wird Jesus am Kreuz liebevoll - voller Liebe - verehrt. Der Betrachter - der Zuhörer - steht unter dem Kreuz und schaut langsam höher auf einzelne, verwundete Glieder (membra) von den Füßen bis zum Angesicht:

 

 

Ad pedes - An die Füße   (Nahum 2,1)              Salve, mundi salutare

Ad genua - An die Knie   (Jesaja 66,12)              Quid sum tibi responsurus

Ad manus - An die Hände   (Sacharja 13,6)           Manus sanctae vos amplector

Ad latus - An die Seite   (Hoheslied 2,13-14)          Hora mortis meus latus

Ad pectus - An die Brust   (1. Petrus 2,2-3)           Pectus meus confer mundum

Ad cor - An das Herz   (Hoheslied 4,9)                Per medullam cordis mei

Ad faciem - An das Angesicht   (Psalm 31,17)        tuere me et libera   

 

Jede Kantate ist in sich geschlossen, doch sind sie miteinander verbunden durch eine einheitliche Textvorlage und eine Tonartenfolge, die das „Aufblicken" auch musikalisch wiedergibt. Der durchgehende Text, eine mittelalterliche lateinische  Andachtsdichtung in fünfzeiligen Strophen, war zu Buxtehudes Zeit unter dem Titel „Domini Bernardi Oratio Rhythmica" bekannt, wird jedoch heute nicht mehr dem heiligen Bernhard von Clairvaux, sondern Arnulf von Löwen zugeschrieben.

Die Dichtung ähnelt in Versmaß, Knappheit der Sprache  und Haltung  der Sequenz in dreizeiligen Strophen „Stabat mater dolorosa" - „Stand die Mutter voller Schmerzen". 

Jede Kantate enthält drei ausgewählte Strophen der Dichtung, die in der Regel von Solisten - allein oder in abwechslungsreichen Stimm-Kombinationen - vorgetragen werden. Sie werden „eingerahmt" durch ein Concerto, einen Chorsatz auf ein Bibelwort, das vorher und nachher erklingt, - vorher instrumental eingeleitet,

nach der Betrachtung vielleicht in einem anderen Licht 

 

Die sieben Kantaten werden ihrerseits durch einen großen Rahmen umfasst.

Das erste Wort „Ecce" - „Siehe!" deutet wie ein Zeigefinger. So beginnt das erste Bibelwort, „Ecce super montes ...", „Siehe, über die Berge [kommen] die Füße eines Boten, der ankündigt: Frieden." Die Dichtung beginnt mit den Worten

Salve mundi salutare, salve, salve Jesu care ... da mihi tui copiam -

„Sei gegrüßt, Heil der Welt, gegrüßt, gegrüßt, teurer Jesus ... gib mir deine Fülle."

Diese Strophe wird am Ende der ersten Kantate von allen fünfstimmig wiederholt, wie ein Motto.

Entsprechend erklingt auch die letzte Strophe der Dichtung in allen Stimmen:

Cum me iubes emigrare. Paul Gerhardt nahm ihre Gedanken auf in seinen Vers

„Wenn ich einmal soll scheiden", den Bach bedeutungsvoll als letzten Choral seiner Matthäuspassion eingesetzt hat. Der Blick wendet sich hier von der Betrachtung des Gekreuzigten auf den eigenen Tod. Danach verbietet sich jede Wiederholung.

 

Jesu care, tunc appare - „lieber Jesus, dann erscheine", - nach dieser Bitte,

in dieser Hoffnung kann die Musik enden mit einem ausschwingenden Amen.

 

In der Dichtung betrachtet der Beter nicht nur die scheinbar toten Glieder des Gekreuzigten, sondern sieht auch seine eigenen Glieder in lebendigem Zusammenhang, zum Beispiel: „Per medullam cordis mei": „In das Innerste meines Herzens, eines Schuldigen, übertrage deine Liebe, da ich dein Herz zerrissen habe."

 

Die rahmenden Bibelworte, die Buxtehude meist dem fünfstimmigen Chor anvertraut und musikalisch besonders reich gestaltet hat, sind der Dichtung locker assoziativ verbunden, die Erwähnung oder Andeutung des betrachteten Gliedes genügt, um den Zusammenhang zu stiften. Fast alle stammen aus dem Alten Testament und sind zum Teil betont anschaulich, lebensvoll und sinnlich.

In der ersten Kantate sieht der Prophet Nahum die Füße des Boten, der Frieden ankündigt.

In der zweiten Kantate malt Jesaja im visionären letzten Kapitel das Bild eines Säuglings, der auf den Knien der Mutter liebkost wird. Den folgenden Satz hat Brahms in sein Deutsches Requiem aufgenommen: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."

Im Buch des Propheten Sacharja stand bereits die bohrende Frage: „Was sind das für Wunden inmitten deiner Hände?"

In der vierten Kantate, An die Seite, wird „Surge, amica mea" aus dem „Lied der Lieder" zitiert (Hoheslied 2, 13-14). Nikolaus Geberth überträgt die Verse in der  Rheingau-Bibel so: „Jetz komm doch emo bei mich, mein Schatz, mei goldisch Meedsche. Mei Täubsche, komm aus deim Versteck, aus deim Eckelsche in de Felswand." - Liebeslyrik, „Komm an meine Seite ...".

Der Beginn der fünften Kantate greift das Bild der mütterlichen Brust wieder auf: „Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lautern Milch ...", - diesen anschaulichen Vergleich fand Petrus für die reine Lehre und fuhr fort:

„damit ihr durch sie wachset im Heil und so schmeckt, wie süß (lieblich, gut, freundlich ...) der Herr ist". 

Das Hohe Lied ist erneut Quelle für den Rahmen der sechsten Kantate: „Vulnerasti cor meum, soror mea, sponsa" - Du hast mein Herz verwundet, meine Schwester, meine Braut". Diese Kantate behandelt das Herz, das man im Gegensatz zu den anderen Gliedern nicht sehen und berühren kann, das aber - wie jeder Liebende weiß - das Wesentliche ist. Buxtehude zeichnete diese Kantate durch den innigen Glanz eines Gambenchors aus. 

In der siebten Kantate ist danach das Schauen „von Angesicht zu Angesicht" möglich: „Illustra faciem tuam - laß dein Angesicht leuchten ...". 

 

Solisten für die Musik

J.S. Bach pilgerte im Jahr 1705 als junger Mann von Arnstadt in Thüringen nach Lübeck, um den berühmten Buxtehude zu hören und vermutlich auch Unterricht bei ihm zu nehmen. Weite Wege nehmen auch einige der Solisten - vokal und mit historischen Instrumenten - auf sich  für Musik und Inhalt dieses bedeutenden Werkes.

 

Laura Toffeti und Tobias Bonz (Violine und Violoncello, Gründer des Orchesters „Antichi Strumenti") kommen aus Mulhouse, Franz Vitzthum (Altus) aus Heidelberg. Diese drei  Musiker beseelten im Weihnachtsoratorium (2004) den Text „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen." In der Kirche war es ganz still, selbst der Dirigent Franz Fink konnte einfach zuhören.

 

Die atemberaubend koloratursichere Sopranistin Katia Plaschka kommt zum dritten Mal aus Limburg, Janina Moeller „überstrahlte" das Magnificat von John Rutter (2006), Roland Johannes (Tenor, Oberursel) und Martin Weinbrenner (Bass, Weilburg) finden zum ersten Mal den Weg in die Kirche St. Martin.


Als zweite Violine konnte Vèronique Wartelle gewonnen werden, als Violone-Fundament Haralt Martens. Solisten des Ensembles MVSICHE VARIE sind Suzanne van Os (Laute) und Martin Lubenow (Orgel). Im Gambenchor der Capella Lignea (Idstein) spielen Annemarie Hickethier, Matthias Schmidt, Heidrun Eggert, Franz und Maria Fink. 

 

Klagegesänge für Altus und Gamben

Zwei ausdrucksstarke Klagegesänge für Altus, die hohe Männerstimme, und Gamben-Begleitung werden zu Beginn erklingen. Buxtehude komponierte das Klag-Lied „Muß der Tod denn nun doch trennen" im Jahr 1674 zum Gedenken an seinen Vater.  „Ach, dass ich Wassers g'nug hätte" wird Johann Christoph Bach (1642-1703) zugeschrieben. Franz Vitzthum stellt seine begnadete Stimme in den Dienst dieser beiden ergreifenden Arien.

 

 

Buxtehude - ein dänisch-deutscher Komponist

 

Dieterich - wie er selbst meist unterzeichnete - Buxtehude wurde vermutlich 1637 als Sohn des Organisten Johann Buxtehude geboren. Seine Kindheit verlebte er im damals dänischen Helsingborg und in Helsingør. Dort absolvierte er vermutlich die Lateinschule.

 
(29. Mai 2007: wie die FAZ berichtet, zeigt der Bildausschnitt nicht - wie bisher angenommen - Buxtehude. Das gesamte Bild und damit auch der Gambenspieler, der vermutlich Buxtehude porträtiert, ist im QUIZ zu sehen.)

 

Als Organist wirkte er von 1657-1658 an der Marienkirche in Helsingborg, 1660-1668 in der deutschen Kirchengemeinde von Helsingør und seit 1668 als Nachfolger seines Schwiegervaters Franz Tunder in Lübeck an St. Marien; dort übernahm er als „Werkmeister“ auch Verwaltungsaufgaben und die Rechnungsführung.

1673 begründete er die so genannten Abendmusiken, eine Reihe vorweihnachtlicher geistlicher Konzerte, die ihn als Komponisten und virtuosen Organisten bekannt und berühmt machten.

 

Phantasievolle Orgelwerke und Geistliche Konzerte

Buxtehude schuf phantasievolle Orgelwerke, Kantaten für den Gottesdienst und oratorienartige „Abendmusiken“, mit denen die Geschichte der geistlichen Konzerte in Deutschland begann. Seine Vokalmusik ist von italienischen Vorbildern beeinflusst.

Er bemühte sich, den Inhalt eines Textes erlebnishaft darzustellen. So schrieb er im Klag-Lied und MEMBRA JESU NOSTRI sinnliche Trauermusik: feine Saiteninstrumente und individueller arioser Gesang färben das Klangbild der kostbaren Werke.

 

Buxtehude starb am 9. Mai 1707 und wurde in der Lübecker Marienkirche in der Nähe der so genannten Totentanzorgel beigesetzt.